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 Aerzteball im Grandhotel Dolder 
Nala Geschrieben von Nala Rubischon (Link) am Montag, 12. Mai 2014, 20:32
aus dem luxus dept.

Am Wochenende war ich am 3. Zürcher Aerzteball im Dolder. Die Erwartungen waren gross, leider wurden sie nicht so ganz erfüllt. Ich versuche das hier mal subjektiv aber höflich aufzuarbeiten, was am Ball und am Hotel das Problem war.

Der Ball hat unsere Erwartungen absolut nicht erfüllt. Das liegt vor allem daran, dass die Organisation eine andere Ansicht von Ballmusik hat. Im Ballsaal gab es vorwiegend Disco-Musik – wie auch in der StaatsBar, die auf der Webseite angepriesen wurde als „wo Disco-Musik läuft“. Diese Musik dann auch im grossen Ballsaal ist meiner Meinung nach unüberlegt. Im Ballsaal keinen einzigen Englisch Walzer, geschweige denn Slowfox oder Tango. Auch die Latin-Tänze waren rar. Eine Rumba und etwa drei ChaChaCha. Kein Samba, sowieso kein Paso Doble. Dann noch etwa 3 Jive und alles andere war dann Discofox oder so Rumhüpfmusik die nicht mal wirklich tanzbar war. Gangnam mag ja für die Jugend von heute toll sein, für Ballgeher ist er unpassend. Oder wie es eine Dame an unserem Tisch so nett ausdrückte: „Das ist keine Ballmusik. Dazu hätten wir auch in Jeans kommen können“.

Das Galamenu war gut. Aber eben nur gut. Gerne würde ich jetzt alle möglichen Steigerungsformen von gut benutzen. Es war aber nur gut. Vorspeise Crabmeat mit Spargel-Morchelsalat und Kresse. Naja. Also Morcheln fand ich nicht wirklich viel und die Spargel waren etwas hart. Zweite Vorspeise Champagnerrisotto mit Pfifferlingen und Kräutern (Parmesanschaum). Dieses so lapidar in Klammer angegebene Schäumchen hat auf dem Teller dann den Eindruck hinterlassen, dass man ein Teller voll frischem Abwaschwasser kriegt mit all diesen Blätterchen. Zum Essen wars ok, wenn auch etwas sehr champagnerlastig. Hauptspeise war Filet und Geschmortes von Kalb mit Babygemüse und Serviettenknödel. Was soll ich sagen... Fleisch war ok, das Geschmorte passt meiner Meinung nach nicht wirklich zum Anlass und die Sauce machte den Eindruck von selbstgekauft. Bei Babygemüse erwarte ich an und für sich nicht kleingeschnittene Blumenkohlröschen, eindrittel Kefe (ja vermutlich wurden die Kefen einfach 1 pro 3 Teller gerechnet). Nur gerade die Karotte war wirklich eine Babykarotte. Und Knödel wär theoretisch rund, dieser war viereckig. Aber ok. Dessert war Créme brûlée mit Blaubeerkompott und Mandelschaum. Blaubeerkompott war fein und der Mandelschaum auch. Créme brûlée hab ich halt einfach eine Ueberdosis von der Queen Mary 2. Dafür kann die Küche und die Ball-Organisation nichts. Dazu gab es Wein der scheinbar ziemlich sauer war und der liess sich nicht ersetzen, da die Weinsponsoren wohl einen Knebelvertrag ausmachten und so keinerlei andere Weinsorte ausgeschenkt werden durfte. Nur gut trinke ich keinen Wein :-)

Die Gäste waren fast ausschliesslich Aerzte (oh Wunder), es war allerdings interessant wie verschieden die sein können. Da haben wir die Macho-Männchen die auch allen am Tisch erzählen müssen, wie viele Operationen sie jedes Jahr machen, weil man in Uebung bleiben müsse. Als ob die anderen Aerzte das nicht selber wüssten. Und es gab die anderen Aerzte, die man eben nicht als Aerzte erkannte. Sie waren auch nicht den ganzen Abend am erzählen was für bescheuerte Kunden sie so hätten.

Für uns ist nun klar, dass wir in 2 Jahren eher nicht mehr teilnehmen werden. Zumal wir im Vorfeld schon überlegten ob Aerzteball oder Presseball, da beide am selben Datum waren. Und spenden kann man auch am Presseball. Beim Aerzteball haben wir das „Eltern-/Kind-Hüüsli“ unterstützt, damit Eltern von psychisch kranken Kindern näher bei den Kindern sein können. Beim Presseball wird üblicherweise Reporter ohne Grenzen unterstützt. Schade um den schönen Anlass, nur wenn ich an einen Ball gehe, dann will ich auch entsprechend tanzen können.

The Dolder Grand war für mich immer der Inbegriff von Exklusivität und Eleganz. Entweder hat das Hotel nachgelassen, oder ich wurde anspruchsvoller. Jedenfalls wird auch dies leider etwas ein Rant, da wir nicht über alles sehr glücklich waren. Grundsätzlich muss ich sagen, dass der Neubau sich gut zum alten Gebäude anpasst. Alt und neu zusammengeführt. Das ist schön. Das alte Haus wurde renoviert und die Zimmer sind sehr schön gestaltet. Der grosse Ballsaal finde ich persönlich etwas unromantisch. Eventuell kann das aber entsprechend gestaltet werden und die Ball-Organisation wollte einfach etwas moderneres Aussehen.

Was auf keinen Fall geht, war die Bedienung im Garden Restaurant. Wir waren am Samstag Nachmittag zwischen einchecken und Ball im Restaurant um ein Kaffee zu geniessen. Zuerst dauerte es ewig bis die Bedienung endlich kam um die Bestellung aufzunehmen und für die Bezahlung dauerte es noch viel länger. Es waren rund 12 Gäste auf der Terrasse und zwei Bedienstete. Also wirklich nicht extremer Stress, so dass ich erwarten kann, dass die Angestellte aufmerksam genug ist um zu sehen, dass wir einen Wunsch haben. Sie aber hat Geschirr abgeräumt, hinter der Theke irgendwas erledigt ohne je einmal aufzublicken und uns anzuschauen. Sorry, aber in einem 5-Sterne-Hotel und gesalzenen Preisen – der Espresso kostet 6.50! - geht das gar nicht.

Während früher bei mir das Dolder nur mit „normalen“ Hotels und Restaurant konkurrieren musste, steht es nun in Konkurrenz zu anderen Luxushotels, sei dies das Victoria-Jungfrau in Interlaken oder natürlich die Queen Mary 2 der Cunardline. Als Luxushotel sollte das Dolder da durchaus mithalten können. Meiner Meinung nach müssen sie sich da aber nach dem Umbau noch finden. Ihren Stil und vor allem ihre Klasse. Während z.B. im Victoria fast ausschliesslich schweizer Personal angestellt ist, war es im Dolder vorwiegend ausländisches Personal. Es mag daran liegen, dass das Dolder inzwischen eher ein Businesshotel für ausländische Gäste ist und das Victoria halt immer noch ein Luxus-Touristenhotel. Es würde in einer Bewertung meinerseits dem Dolder nicht angelastet werden, es ist mir einfach sehr stark aufgefallen.

Viel störender fand ich da die Bekleidung des Servierpersonals im Garden Restaurant. Eine weisse Hose, eine ungleich weisse Bluse und Turnschuhe sind für einen solchen Ort meiner Meinung nach ein no-go. Alle dieselben Schuhe mag für den Hotelbetrieb interessant sein, für die Füsse der Angestellten ist das sicher eine schlechte Idee und für mich als Kunde ist es despektierlich. Im Vergleich dazu z.B. die Queen Mary 2. Beim Frühstück tragen die Bediensteten schwarze Hose, weisses Jackett und schwarze/dunkle Schuhe. Abends dann anstelle vom Weissen ein schwarzes Jackett. Mich hatte das schon damals als ich an einem 1. Januar im Dolder essen war gestört. Die Bekleidung hat sich seither nicht verändert.

Bestens geklappt hat dieses Mal das übernehmen des Autos und bringen des Gepäckes. Während es vor vielen Jahren als ich mit Beat dort war so war, dass Beat sein Auto selber in die Tiefgarage fahren musste. Diesmal zeigen welches Gepäck ausgeladen werden muss und Schlüssel im Auto stecken lassen. So gehört sich das :-)

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