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 Kino 
WG-Zimmer Geschrieben von Beat Rubischon (Link) am Mittwoch, 8. Oktober 2008, 11:47
aus dem *reihe-7-platz-11* dept.

Zürich hat ein schier endloses kulturelles Angebot, das ich bisher mehr oder minder ignoriert habe. Immerhin - gestern Abend war ich im Kino und guckte mir den Baader Meinhof Komplex an.

Ganz atypisch sass ich ohne Begleitung im Kino, was bei diesem Stoff vielleicht keine dumme Idee war. Ein Kuschelfilm ist die Geschichte der Roten Armee Fraktion auf alle Fälle nicht.

Den Regisseuren ist es gelungen, die Stimmung der Demonstrationen und Kundgebungen, die tödliche Eigendynamik der Untergrundgruppe aber auch die immer rücksichtsloseren Ueberfälle und Morde einzufangen. Keiner der Beteiligten steht als "Guter" oder "Schlechter" da, es werden die Visionen, aber auch die Fehler aller aufgezeigt. Als Zuschauer schwankt man zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber der Figuren auf der Leinwand.

Lange Szenen wechseln sich mit schnell Geschnittenen ab, teilweise kommen Originalbilder zum Zug. Die Zeit der frühen 70ern ist liebevoll nachgestellt, der Film muss bereits zu den Kostümfilmen gezählt werden. Selbstverständlich darf auch der rostige VW-Transporter für den Weg in die Freiheit nicht fehlen.

Schlüsselsatz des Filmes war wohl die Aussage des BKA Chefs: Terrorismus kann man nicht bekämpfen, in dem man eine Gruppe inhaftiert. Terrorismus muss man bekämpfen, in dem man die Grundlagen, auf dem er wächst, ändert.

Nach zweieinhalb Stunden war der Film vorbei und erstaunlich viele Leute blieben erst einmal eine Weile vor dem Nachspann sitzen. Uns allen ist die Geschichte doch etwas eingefahren...

Als Spagat zwischen Dokumentar- und Spielfilm wird der Erfolg des Filmes wohl kaum eine monatelange Kinozeit rechtfertigen. Und wie schon geschrieben, es ist kein Kuschelfilm - trotzdem äusserst empfehlenswert für alle, die die Welt da draussen ein bisschen besser verstehen wollen.

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