0x1b - ESCAPE
HTML PDF Postscript
 Rauchfrei 
Labberfaselbla Geschrieben von Beat Rubischon (Link) am Samstag, 10. Dezember 2005, 20:47
aus dem bahnfahrt dept.

Heute Nacht stellt die SBB ihren Fahrplan um. Nicht so ein grosses Unterfangen wie vor einem Jahr, dafür aber mit einer vieldiskutierten Aufhebung der Raucherabteilte.

Etwa 1990/91 war ich öfters im Zug unterwegs. Damals Stift bei der MINOLTA, noch ohne Autobillet, fuhr ich von meinen Eltern nach Dietikon und erlebte gerade die Einführung der Zürcher S-Bahn mit. Ich hatte die Wahl zwischen Nichtraucherabteil mit den komischen Omas oder den Raucherabteilen mit den toleranten Leuten. Auch ich steckte mir damals ab und zu eine Zigarette an - es war vor meiner RS und ich noch kein Suchtraucher.

Die Verdrängung der Raucher erlebte ich sehr direkt mit, als ich - das musste 1993 oder 94 gewesen sein - mit der Hamburger S-Bahn nach Ahrensburg fuhr und im knapp bemessenen Raucherabteil Platz nahm. Die Leute standen mehrheitlich, man sah vielleicht 10m weit. Aber eine grossartige Atmosphäre.

Mittlerweile ist Rauchen out. Die Zeiten haben sich geändert. Genauso wie es heute unglaublich anmutet, dass der Schichtleiter in Zopfi's Jede Minute kostet 33 Franken eine Flasche Hochprozentiges aus dem Schrank nimmt und während der Arbeitszeit konsumiert, ist es nicht mehr vorstellbar, dass man vor 10 Jahren noch sicher in jedem zweiten Büro einen Aschenbecher fand.

Ich hatte eigentlich nie Probleme damit, an bestimmten Orten nicht zu rauchen. Ich genoss es aber genauso, wenn es einen Ort gab, an dem ich meiner Sucht nachgehen konnte. Dass sich die Zeiten geändert haben macht mir eigentlich nichts aus, aber ich frage mich manchmal, was uns die Zukunft noch bringen wird. Was ist das nächste, was man nicht mehr in der Oeffentlichkeit tun darf?

Beispielsweise Essen? Uebergewicht ist ein Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Also könnte ich doch durchaus jeden böse angucken, der mehr an sich hat als ich und ein fetttriefenden Hamburger oder ein paar Pommes mitten im Christkindmarkt verdrückt?

Lassen wir uns überraschen, was in 10 Jahren sein wird...

Permalink

Das Kleingedruckte: Der Besitzer der folgenden Kommentare ist wer immer sie eingeschickt hat. Wir sind in keiner Weise für sie verantwortlich.

  • Re: Rauchfrei
    Geschrieben von Cmdr_Zod am Samstag, 10. Dezember 2005, 21:48

    Ich finde es zwar ein Stück weit schlecht wenn den Leuten immer mehr Freiheit genommen wird, andererseits ist Rauchen unbestritten schädlich, und in den letzten Jahren war meine Erfahrung in gut ausgelasteten Zügen häufig, dass ich als Nichtraucher entweder stehen oder ins Raucherabteil durfte. Von dem her verstehe ich durchaus, dass die SBB das Problem mit der Abschaffung der Raucherabteile lösen (ich war bestimmt nicht der einzige, der wegen halbvoller Raucherabteile und überfülltem Nichtraucher protestiert hat).
    Der Wagenunterhalt und die Rangierarbeiten sind auch einfacher, wenn man nur noch Nichtraucher hat, und man muss keine Aschenbecher mehr warten und leeren. Dafür wird dann halt häufiger auf dem WC im Zug geraucht.
    Die Verbannung der Raucher aus dem öffentlichen Raum ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass diese häufig unfähig sind, ihre Kippen ordentlich zu entsorgen (nicht dass man das Problem nicht auch mit anderem Abfall hätte).
    Auffälligste Folge des Rauchverbotes im Tiefbahnhof Zürich war für mich übrigens der Stau am oberen Ende der Rolltreppen im HB, weil man direkt ende der Rolltreppe einen grossen Aschenbecher aufgestellt hat und dort etliche Raucher ihre Lunge füttern müssen.

    • anna@maik.be Re: Rauchfrei
      Geschrieben von Anna am Samstag, 10. Dezember 2005, 23:24

      Ich selber rauche regelemässig; will aber unbedingt aufhören. Jetzt bin ich psychisch soweit, das ich mit drei Zigaretten pro Tag unter der Woche den Tag angenehm erlebe. Mein Ziel ist aber ganz klar, dass ich in Zukunft ohne Glimmstängel auskomme. Heute bin ich zum ersten Mal im rauchfreien Zug gefahren - und es war ein überraschend angenehmes Erlebnis vor mir selbst geschützt zu werden. Wenn ich früher am Morgen in den Zug stieg, fand ich normalerweise keinen Sitzplatz. Seit das Rauchverbot herrscht gibt es zusätzlich ca 15 Plätze. Meine Kleider stinken nicht, ich brauche nicht mehr so viele Kaugummnis und Bonbons, damit mein Mund nicht an einen Aschenbecher erinnert... Ich finds schön, das ich dieser Verlockung jetzt nicht mehr wiederstehen muss.